Der Rollator – ein Lifestyle-Produkt?

Rollatoren ermöglichen vielen älteren und behinderten Menschen, sich relativ sicher zu bewegen. Branchenexperten gehen davon aus, dass seit einigen Jahren jährlich etwa 550.000 Rollatoren neu verkauft werden. Während sie in der Vergangenheit noch eher ungeliebte, lästige Hilfsmittel waren, sind sie heute vielerorts bereits zum Lifestyle-Produkt geworden. Doch bei falscher Handhabung und Haltung können sie zur Sturzfalle werden.

Wann und ob ein Rollator notwendig ist, sollte aus Sicht eines Arztes individuell entschieden werden. Hilfreich können sie bei Arthrosen in den Hüft- und Kniegelenken sein, bei Muskelinsuffizienz oder Nervenstörungen. Sie sollen den Bewegungsraum erweitern, die Lebensqualität verbessern und Stürzen vorbeugen.

Denn ältere Menschen haben oft große Angst hinzufallen. Je höher das Alter, desto größer wird das Sturz- und Verletzungsrisiko. Bei über 65-Jährigen liegt die Wahrscheinlichkeit, dass sie binnen eines Jahres mindestens einmal fallen, Experten zufolge bei etwa 30 Prozent. Pro Lebensjahrzehnt erhöht sich die Wahrscheinlichkeit um weitere je zehn Prozent.

Ein Rollator schafft Stabilität und Bewegungssicherheit, doch leider nicht immer. Denn es gibt ein sogenanntes Hilfsmittel-Paradoxon: Obwohl Rollatoren als Hilfsmittel die Sturzgefahr verringern sollen, kann bei ihrer Benutzung das Sturzrisiko steigen – etwa durch falsche Haltung oder falsche Handhabung. Häufig beugt sich der Nutzer zu weit vor, wodurch der Schwerpunkt nach vorn kippt und der Rollator-Nutzer nicht mehr hinterherkommt. Auch die Distanz zum Rollator ist oft zu groß.

Im optimalen Fall wird die richtige Nutzung den Senioren durch einen Physiotherapeuten vermittelt. Nur werden die Tipps oft wieder vergessen und Haltungsfehler schleichen sich erneut ein. Aus diesen Gründen wollen Informatiker, Mediziner, Physiotherapeuten, ein Rollator-Hersteller und ein Elektronik-Unternehmen einen Rollator entwickeln, der die Ganghaltung des Nutzers per Distanzsensoren konstant analysiert und ein Korrektur-Feedback gibt. Zur Analyse sollen sechs oder acht virtuelle Distanzsensoren den Abstand zwischen Schultern, Becken, Ober- und Unterschenkeln messen und mit Sof-ware-basierten Algorithmen feststellen. Nach diesem ersten Schritt muss dann eine Möglichkeit geschaffen werden, wie der Rollator seinem Nutzer mitteilt, dass er gerade eine Fehlhaltung einnimmt, die zu einem Sturz führen kann. Es bleibt also spannend, welche Veränderungen der Rollator der Zukunft zu bieten haben wird. Doch auch schon heute gibt es große Unterschiede unter den Rollatoren – auch Ihre Apotheke vor Ort berät sie gern dazu.